«REANIMATION»
Die Installation «Reanimation» ist das zweite Fragment der Forschung «Hybridlandscape» und widmet sich der Reaktivierung toter Landschaften. Im Fokus steht dabei Torf, das grundlegende Material von Moorlandschaften. Mit Beginn der Industrialisierung begann der Mensch, Moore trockenzulegen, um neue landwirtschaftliche Flächen und Siedlungsgebiete zu gewinnen. Nach Jahren intensiver und ausbeuterischer Nutzung wurde der Boden jedoch stark degradiert und verlor seine ursprüngliche Fähigkeit, CO₂ zu speichern. Um das Potenzial ehemaliger Moorlandschaften zu reaktivieren, haben wir eine Installation initiiert, die diesen Prozess sichtbar machen und die Abläufe einer großflächigen Renaturierung besser verstehen soll. Ein Block aus getrocknetem Torf wurde in einem kontrollierten Umfeld wieder befeuchtet und über einen Zeitraum von 19 Monaten beobachtet. Das Experiment fand im Gewächshaus der Stadtgärtnerei Zürich statt, wo der Block mit Zürcher Stadtwasser durchtränkt und der Wachstumszyklus durch künstliches Licht unterstützt wurde.
Nach dem Beginn der Installation stellte sich heraus, dass der Torfblock zunächst nicht gleichmäßig durchfeuchtet wurde, einige Seiten blieben trocken. Trotz Anpassungen der Bewässerungsintervalle zeigte der Block anfangs keine Saugfähigkeit. Nach mehreren Tagen begann er jedoch, Wasser aufzunehmen, und erste Sprossen wurden sichtbar. Doch bald traten Probleme auf: Schimmel bildete sich an den Seiten, und die Sprossen starben ab. Durch die Reduktion der Bewässerung wurden erneut trockene Stellen sichtbar, und der Block begann zu erodieren. Um das Experiment fortzuführen, setzten wir Moose ein, die zunächst wuchsen, aber nach einigen Monaten ebenfalls abzusterben begannen. Die zunehmende Verkalkung des Blocks, bedingt durch die Bewässerung mit Leitungswasser, erschwerte die Bedingungen weiter. Gespräche mit Fachleuten führten zu Überlegungen, das Experiment ins Freiland zu verlagern oder die Bedingungen durch Regenwasser und eine Versiegelung des Blocks zu optimieren.
Die Installation „Reanimation“ verdeutlicht die komplexen Herausforderungen bei der Wiederbelebung degradierter Landschaften. Der Versuch, den Torfblock zu revitalisieren, machte die oft unvorhersehbaren Prozesse sichtbar, die mit der Renaturierung von Mooren einhergehen. Trotz der Rückschläge lieferte das Experiment wertvolle Erkenntnisse über die Bedeutung der richtigen Umgebungsbedingungen und Materialien für eine erfolgreiche Renaturierung im großen Maßstab. Es bleibt ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie technische und natürliche Prozesse im Spannungsfeld zwischen Experiment und Realität aufeinandertreffen und wie schwierig, aber notwendig der Weg zu einer nachhaltigen Landschaftserneuerung ist.
w/ Ansgar Stadler
Kollaboration Stadtgärtnerei Zürich
Format Freie Arbeit
Datum August 2022 bis April 2024
Support Tobias Takke (Stadtgärtnerei Zürich) / Lehrstuhl Prof. Günther Vogt