HERS
    The United States of Woman 


    Die Serie Die Vereinigten Frauen des Westens zeigt sechs bewusst inszenierte weibliche Charaktere, die unterschiedliche Vorstellungen von Weiblichkeit, Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Rollen verkörpern. Ausgangspunkt ist Martha Wilsons A Portfolio of Models (1974), in dem sechs weibliche Stereotypen, von der Göttin über die Hausfrau bis zur Erdmutter, fotografisch dokumentiert wurden. Fünfzig Jahre später werden diese Figuren in die Gegenwart übersetzt und mit heutigen Bildern von Weiblichkeit, Popkultur und queerer Identität konfrontiert. Die Serie bewegt sich dabei zwischen Porträt, Performance und Fiktion: Die dargestellten Frauen sind keine Abbildungen realer Personen, sondern bewusst entwickelte Charaktere. Ihre Überzeichnung macht sichtbar, wie sehr Identität über Kleidung, Körper, Gesten, Räume und soziale Erwartungen hergestellt wird.

    Jede Figur besitzt eine eigene visuelle und soziale Sprache. Sie entsteht aus einer Collage von persönlichen Beobachtungen, popkulturellen Referenzen, historischen Rollenbildern und zeitgenössischen Formen von Weiblichkeit. Kostüme aus alten und geliehenen Kleidungsstücken, ausgewählte Schauplätze, Körperhaltungen und Requisiten werden eingesetzt, um die Charaktere bewusst zu überzeichnen und gleichzeitig ambivalent zu halten. Die Figuren können sich dabei widersprechen: Sie sind selbstbewusst und verletzlich, lächerlich und ernst, begehrenswert und abweisend. Die Texte zu den einzelnen Charakteren erweitern die fotografischen Bilder und geben Einblick in ihre erfundenen Biografien, Wünsche und Widersprüche.

    Die Serie entsteht in enger Zusammenarbeit zwischen der Drag Kunst und der Fotografie. Die Fotografie ist dabei nicht lediglich dokumentarisches Medium, sondern Teil der Inszenierung. Gemeinsam werden die Charaktere entwickelt, Kostüme und Räume ausgewählt und Situationen choreografiert, bevor sie fotografisch festgehalten werden. Die Kamera beobachtet die Performance nicht von aussen, sondern wird zu einem aktiven Gegenüber: Blick, Pose, Distanz, Licht und Bildausschnitt bestimmen mit, wie eine Figur entsteht. Dadurch bewegt sich die Serie bewusst zwischen fotografischem Porträt und performativer Handlung. Die Bilder dokumentieren nicht einfach eine bereits vorhandene Identität, sie zeigen, wie Identität vor der Kamera hergestellt, gespielt und immer wieder verändert werden kann.













    Text / Styling Paul Grieguszies
    Nails Nina Dettwiler
    Photography Eva Schneuwly



    «The State of Her»
    group exhibition
    16/07 - 19/07/2025
    Eins und Viele Galerie, Berlin


    «samples»
    solo exhibition
    29/07 - 17/08/2025
    Amiamo Caffe, Zurich


    «feuchtzelle»
    group exhibition
    26/10/2025
    off-space, Zurich


    Location Zurich
    Date January 2021 until July 2024

    LinksEins und Viele Galerie Berlin  The State of Her, Juli 2024